Altersgerechtes Üben im Budo – Teil 1

Wiederholungen sind bei ganzheitlichen Betrachtungen nicht immer zu umgehen. Die Themen überschneiden sich häufig in weiten Teilen. Im Mai 2016 hatte ich das vorliegende unter dem Stichwort „Krafteinsatz“ ja bereits angerissen. Hier nun das ganze noch einmal etwas detaillierter.

Sinnbild der vergehenden Zeit: Astrologische Uhr in der Rostocker Marienkirche

Die Jahre vergehen und man bemerkt, ob´s einem gefällt oder nicht, das Nagen des Zahns der Zeit an einem selbst. Vieles fällt einem nicht mehr so leicht wie zuvor. Schmerzlich wird diese Erfahrung gerade beim Training mit jüngeren Leuten, insbesondere beim üblichen Kumite. Sofern wir das Karate aber weniger als Sport, sondern eher als körperlich-geistigen Bildungsprozess verstehen, dann wird klar, dass ab einem bestimmten Altersbereich Kraft und Geschwindigkeit anderen Kritereien weichen müssen, soll das Üben für den (wenn auch meist hypothetisch bleibenden) Kampf ums Dasein erfolgreich sein. In meinem ersten Buch Karate als Budo war ich vielleicht nicht weit genug auf diese Problematik eingegangen, weshalb ich versuchen will dies hiermit nachzuholen.

Anders als zu der Zeit, in der ich mit dem Karate begann (vor mehr als 45 Jahren) wird selbiges heute nicht mehr überwiegend von jungen Leuten betrieben. Zwar kamen auch damals schon ab und an Personen fortgeschrittenen Alters zu unserem Training, doch blieb dies eher die Ausnahme. Andersherum gilt das Karate heute eher als ein Sport für Kinder und Jugendliche, dann klafft eine Alterslücke, die sich um die Dreißig wieder schließt. Anders ausgedrückt, das Karate übt nicht mehr den stimulierenden Reiz auf die „Zwanziger“ aus wie noch zu meiner Zeit. Wirkliche Risikosportarten scheinen da attraktiver oder zumindest solche, die vom Outfit mehr hermachen, wie z.B. verkehrsbehinderndes Rennradfahren mit Farbgebungen bei der Kleidung wie sie vom Karneval her kennen.

Besonders in jungen Jahren ist der Spaß-Faktor nicht zu unterschätzen.

Doch Wehklagen soll nicht Inhalt dieses Beitrags sein, sondern vielmehr die Frage: Wie kann das Karate einer jeden Altersgruppe gerecht werden, so dass alle maximal von der Übung profitieren? „Profitieren“ bedeutet hier maximaler Nutzen bei minimalem Aufwand und, im Sport besonders wichtig, minimales Risiko für die körperliche Gesundheit. Aus meiner Sicht hat sich folgende Einteilung nach dem Lebensalter bewährt um sich vom Unterrichtskonzept her auf die jeweiligen Schüler optimal einzustellen:

  • Kinder unter 6 Jahren, Vorschulalter
  • Kinder von 6 bis 12 Jahren
  • Jugendliche von 13 bis 16 Jahren
  • Jungendliche über 16 Jahre
  • Erwachsene ab etwa 20 Jahren
  • Erwachsene zwischen 40 und 60 Jahren
  • Budōka über 60 Jahre

Anschaulichkeit ist oft das Geheimnis guter Übungsergebnisse.

Die Abgrenzungen sind natürlich fließend und nicht alle werden mit dieser Anordung einverstanden sein. Noch weniger Leser werden meine Einschätzung teilen, dass Kinder vor dem achten Lebensjahr beim Karate nicht unbedingt ideal aufgehoben sind. Jedoch ist nach eigener Erfahrung die Vorstellungskraft erst ab diesem Alter soweit entwickelt, dass das dem Karate zugrundliegende Konzept hinreichend logisch erfasst werden kann. Darunter ist für die Kinder das Judō weit besser geeignet, weil das Resultat einer erfolgreich ausgeführten Technik offensichtlich ist: Der Gegner liegt am Boden, kann sich durch den Haltegriff kaum bewegen oder im Falle eines Gelenkshebels tut ihm dies weh. Zudem meine ich, dass Kinder den Unterschied zwischen Unterricht und Spiel erfasst haben müssen. Ansonsten gestaltet sich das Training wie eine Stunde im Kindergarten. Karate bleibt für mich immer noch eine Methode zum – wenn auch defensiv ausgerichteten – Kampf. Kinder müssen lernen, verantwortungsvoll mit der Gewalt an sich umzugehen, wozu dann auch gehört das Recht auf die Gesundheit des Partners, eventuell auch der eines Gegners außerhalb des Dojos zu achten. Aus all diesen Beweggründen hatte ich immer nur möglichst Kinder ab 8 Jahren in meine Gruppen aufgenommen oder zumindest sollten sie bereits die Schule besuchen.

Nett anzusehen, aber wissen die beiden um den wirklichen Sinn ihrer Übung?

Gleichwohl muß die Übungsstunde dem Alter entsprechend durchgeführt und dem Bewegungsdrang der meisten Kinder Rechnung getragen werden. Wovon ich jedoch überhaupt nichts halte ist die Jungen und Mädchen zu Champions zu formen. Wenn sie das Zeug dazu haben, werden sie das von selbst, die rechte, wohldosierte Betreuung von Seiten des Trainers vorausgesetzt. Denn wichter als alle Meistertitel ist die Verbesserung der Koordination in der Bewegung und der Zugewinn an geistiger Reife im Sinne von Rücksichtnahme und dem Respekt vor den anderen. Natürlich kann man bei Kindern, anders als bei den Erwachsenen, nur bedingt eine spirituelle Entwicklung im Sinne eines Karate- erwarten.

Hier wird nicht genügend Augenmerk auf die korrekte Rückwärtsstellung gelegt. Knieprobleme sind absehbar.

Ganz wichtig, und das nicht nur in der Kindergruppe, ist die Freude an der Sache. Karate ist durchaus anstrengend, sollte aber auch Spaß machen. Dies betrifft das Training als solches, wie auch die Freude an einem „bestandenen Gurt“ und meinetwegen auch an einem Meistertitel. Hilfreich hierbei ist eine der Altersgruppe angemessene Sprache. Es bringt wenig bei Kindern und Jugendlichen allzu geschwollen daherzureden oder sie mit esoterischen Spekulationen zu langweilen. Das Vokabular ist entscheidend ob die jeweilige „Message“ herüberkommt. Zudem erleichtert auch hier ein gesunder Humor das Lernen: An Ereignisse, bei denen man lachen konnte erinnert man sich viel später immer noch gern. Derart werden die Fakten bezüglich Technik und deren Anwendung eher im Gedächtnis behalten. Dies soll jedoch nicht bedeuten, dass wir beim Training albern werden. Der Humor muss wohl dosiert sein, soll der tiefe Ernst unserer Kampfkunst nicht verloren gehen.

Deutlich bessere Position des Hinterfußes, wodurch das Knie weitgehend natürlich belastet wird.

Was den Bewegungsdrang angeht, so gibt es auch Ausnahmen, denn neben dicklichen Kindern und trägen Personen aller Altersgruppen kennen wir auch überagile Greise, wie etwa jene 80jährigen Marathonläufer. Insgesamt aber nimmt die Lust sich zu bewegen im Laufe der Lebensjahre ab, d.h. es kostet immer mehr innere Überwindung weiterzutrainieren, insbesondere wenn nach und nach kleinere und größere körperlich Leiden uns einschränken wollen. Hier setzt dann der persönlichkeitsbildenede Effekt des Budō an: Wir gehen zum Training obwohl wir eigentlich gar keine Lust haben. Hilfreich ist es dann auch wenn diesbezüglich bereits eine gewisse Routine vorliegt, man also schon längere Zeit dabei ist und „einfach nur“ weitermacht.

Das Knie ist bedingt durch seinen Aufbau empfindlich gegenüber seitlicher Belastung.

Der stimmungshebende Effekt körperlicher Betätigung ist ein nicht zu unterschätzender Faktor bei dieser Routine. Obwohl körperlich müde von der Anstrengung durchdringt uns doch ein subtiles Wohlbefinden, aus der Gewissheit etwas konstruktiv-positives für uns getan zu haben. Aus der Perspektive einer sich stetig verbessernden Technik ergibt sich eine tiefgehende Zufriedenheit, die langfristiger ist als jene, die wir erfahren wenn wir z.B. am Schäppchenmarkt ein „günstiges Teil“ ergattern konnten. Die kleinen Fortschritte während des Trainings, wenn etwa bei der Partnerübung etwas gut funktioniert hat oder wir einen komplexen technischen Zusammenhang in der Kata erkannt haben, bringen ebenfalls ein gutes Gefühl. Erklären lässt sich dies durch Endorphinausschüttungen im Gehirn oder traditionell ausgedrückt, durch ein frei und harmonisch zirkulierendes Ki. Es ist denn auch dies das Ziel aller Übung, sofern man Karate als betreiben will.

Diese Rückwärtsstellung sieht vielleicht toll aus, bietet dem Gegner aber eine gute Möglichkeiten das unstabile Vorderknie anzugreifen.

Im Falle negativer Umstände beim Üben, etwa von Schmerz infolge Verletzungen, Frustrationeserlebnissen, aber auch wenn wir selbst ungute Absichten verfolgten, kommt es zu „unrund laufendem“ Ki oder modern ausgedrückt, zur Ausschüttung von Stresshormonen. Entsprechende körperlichen Empfindungen werden von uns teils bewusst erfahren, oft aber auch nur intuitiv wahrgenommen (Man denke an das „schlechte Gewissen“!). Um sie zu vermeiden verhalten wir uns bei der Übung anständig oder fair, auch hier meist ohne uns der eigentlichen Zielsetzung, nähmlich dem subtilen Zugewinn an eigenem Wohlbefinden, wirklich bewusst zu sein. Unser Handeln wird so für die Umwelt allmählich verträglicher. Eine positiv-konstruktive Grundeinstellung verbessert den Ki-Fluß, destruktives Verhalten blockert ihn.

Luftsprünge jugendlichen Leichtsinns (1979)

Im leicht fortgeschrittenen Alter, so ab ungefähr 30 Jahren, sollten wir uns allmählich über die hier beschriebenen Vorgänge klar werden. Dazu gehört zunächst einmal die als von Natur aus vorhandenen Gefühlsregungen anzuerkennen und sie für uns und andere zuzulassen, was bedeutet für sie körperlich und gedanklich empfänglich zu werden. Nur allzu oft werden Emotionen unterdrückt oder falsch kanalisiert und wir geben anderen die Schuld am eigenen Versagen. Gewiss existieren einige willfährige Prüfer, die einen tatsächlich „durchfallen lassen wollen“, oder auch „blinde“ Schiedsrichter, die dojofiltrierende Brillen tragen. Sie sind aber, dem Himmel sei Dank, höchst selten. Wir selbst sind verantwortlich für unser Tun, uns selbst und anderen gegenüber. Wenn also etwas daneben geht, eine Anwendung nicht funktioniert oder es zu Verletzungen kommt, dann prüfe man sich selbst. Meist liegt der Grund des Missgeschicks im eigenen Unvermögen, das es dann zu verbessert gilt – und deswegen trainiert man doch letztlich.

Generell gilt: Je früher man mit dem Üben anfängt, desto besser. Es fällt einem in jungen Jahren leichter die erwähnte nötige Routine zu erreichen, bei der man nicht mehr aufhören kann, obwohl einem ab und an durchaus danach wäre. Der verbesserte oder gestärkte Ki-Fluss bewirkt eine Gewöhnung an die Praxis, bedingt durch die immer wiederkehrende aus körperlicher Anstrengung und die kleinen Erfolgserlebnisse resultierende Endorphinausschüttung.

„Alte“ Schule: Die Meister Miyagi und Funakoshi.

Dementsprechend ist es gerade für Späteinsteiger umso schwieriger sich diese Routine anzueignen. Die Trainer sollten dies wissen und jenen, welche sich jenseits der Jugendjahre für den Weg des Karate entscheiden oder dies zumindest versuchen, entsprechend in der Anfangsphase lerntechnisch (noch) nicht allzu viel abverlangen (Mehr dazu im zweiten Teil dieses Beitrags!). Dabei ist die Motivation „älterer“ Karateka häufig viel gefestigter als bei den „jüngeren“, auch wenn die Technik ersterer mitunter vom äußeren Bild her dies nicht vermuten läßt. Hier liegt meines Erachtens ein weitverbreiteter Denkfehler: Eine Technik, die schön anzusehen ist, muss nicht unbedingt wirksam sein!

Seit ich erinnern kann, mußten die Bewegungen beim Training, besonders aber auf Prüfungen und Turnieren „stark“ aussehen. Dazu gehörten tiefe Fußstellungen und langausgeführte Stoß- Schlag- und Tritt-Techniken. Lange Zeit war man (mich eingeschlossen) der im übrigen immer noch vorherrschenden Meinung, die Wirkung der Karate-Technik würde durch ihre Wucht hervorgerufen. Zum Glück setzt sich jedoch allmählich eine weit komplexere Sichtweise durch, dahingehend, dass vor allem Präzision und richtiges Timing über der Erfolg einer Aktion im Kampf entscheiden.

Nach wie vor ein Ideal
für vollendete Dynamik: Hirokazu Kanazwa mit Yoko-tobi-geri.

Unser kampf-ästhetisches Empfinden wurde aber auch durch das Kino beeinflusst. Stundenlanger Schlagabtausch und akrobatisch anmutende Auseinandersetzungen beherrschen die bekannten Produktionen aus Hong-Kong und später auch die aus Hollywood. Dort werden die meisten Kämpfe nach wie vor durch Schläge und Tritte in Richtung Kopf entschieden und gehen nur selten in den Bereich des Unterkörpers oder der Beine – Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel. Ich glaube jedoch, den meisten von uns ist klar, dass wir fähig sein müssen Fiktion von der Realität zu unterscheiden. Ein „guter“ Kampf ist nur kurz. Zudem ist von außen her kaum zu sehen, was da passiert, nur dass am Ende einer oder mehrere Leute am Boden liegen. Die Memoiren von Meister Funakoshi zeugen hiervon mit einigen Bespielen, wie dessen Lehrer Anko Itosu derartiges handhabte. Auch Choki Motobu war für seine kurzen, aber schmerzhaften und bewusstseinstrübenden Aktionen bekannt. Junge Leute mögen durchaus kraftbetont üben und sich nach dem Prinzip „viel hilft viel“ verausgaben, wodurch sie einen Überschuss an vorhandener ansonsten möglicherweise destruktiv eingesetzter Energie abbauen können. Ab einer bestimmten Altersphase sollte jedoch ein allmählicher Übergang, eben hin zu mehr Präzision und Timing, einsetzen.

Wirksamkeit im Sinne des Budō bedeutet, dass ein Gegner mit möglichst wenig Aufwand entscheidend (s.u.) beeinträchtigt und somit zur Aufgabe gezwungen wird. Dazu muß er nicht zwingend getötet oder schwer verletzt werden. Wichtig ist, dass am Ende des Kampfes seitens des „Gewinners“ eine sichtliche Überlegenheit vorherrscht: So etwas ist angesichts eines sich mit einem gebrochenen Bein vor Schmerzen auf der Erde windenen Gegner natürlich offensichtlich, es bedarf aber nicht unbedingt solch drastischer Ergebnisse, Luftnot oder Schwindel tun es auch (haha!). Noch schöner wäre es jedoch, wenn es beim Gegner zur vernunftbedingten Einsicht kommt und er von sich die Überlegenheit des anderen, vielleicht sogar die Absurdität der eigenen übelwollender Absichten anerkennt.

Kime – auch im Judo.

Auch wenn ich Gefahr laufe mich abermals zu wiederholen, an dieser Stelle sollte der Zusatz trotzdem nicht fehlen, dass kime eben nicht „kräftig“, „fokussiert“ oder „maximal hart“ bedeutet, sondern so etwas wie „Entscheidung bringend“. Kime kann sich demnach von der Technik her durchaus sanft oder elastisch manifestieren, auf die innere Einstellung beim Ausführenden kommt es an. Bündelung ja, aber gemeint sind eher die geistigen Kräfte. Ich möchte mich nun aber nicht weiter in Details, etwa bezüglich vitaler Körperzonen, verlieren (ich tat dies ja schon einige Male), sondern auf den Schluss beschränken, dass Voraussetzung für eine wirklich effektive Aktion des Budō eine genau platzierte, korrekt dosierte und vor allem im rechten Moment ausgeführte Bewegung darstellt. Und genau hierauf muß unser Üben allgemein und besonders bei fortschreitendem Alter ausgerichtet sein.

Beispiel hocheffektiver Präzision: Kyuzo Mifune

Die für eine hocheffektive Aktion nötige Präzision kann nur durch ständige Verfeinerung im Rahmen der täglichen Praxis erreicht werden. Das Wort „täglich“ ist hierbei nicht unbedingt wörtlich zu nehmen, eher kommt es auf das regelmäßige zielgerichtete Üben an. Die Meister Okinawas betonten in ihren Schriften denn auch immer wieder, wie wichtig es sei jeden Tag vielleicht gar nicht unbedingt besonders viel zu machen, das wenige aber wirklich konsequent „durchzuziehen“. In Gichin Funakoshis Werk Karate-dō Kyōhan liest man denn auch, dass es für einen Fortgeschrittenen durchaus reiche, wenn er pro Tag ungefähr 20 Minuten trainiere. Da stellt sich uns natürlich die Frage, was verstand Meister Funakoshi unter einem „Fortgeschrittenen“?

Meister Funakoshi bei der täglichen Übung.

Wir erkennen hier das Problem, nämlich dass unsere heutigen Tagesabläufe mit all den uns auferlegten Verpflichtungen ein wenn auch nur kurzes tägliches Training kaum zulassen. Andererseits reichen zwei mal 1,5 Stunden pro Woche für einen wirklichen Fortschritt im erwähnten Sinne kaum aus. Zudem kann das konventionelle Training unter Anleitung nur der Vermittlung von Informationen und der immer wieder nötigen technischen Korrektur dienen. Für das Vertiefen der erlernten oder im Detail verbesserten Bewegungen hingegen muß jeder Einzelne das seinige tun. Um das individuelle Üben kommt keine/r herum. Leider habe ich dafür, wie dies im Einzelfall zu realisieren sein könnte, kaum Ratschläge parat. Ich warne sogar vor dem zuweilen einsetzenden Fanatismus, bei dem versucht wird das Leben gänzlich nach dem Karate auszurichten. Der mittlere Weg wäre auch hier der angemesse und mit etwas gutem Willen findet sich sicher für jeden Budōka eine praktikabele Lösung.

Das allmorgendliche Training am Makiwara kann problematisch werden – wegen der Nachbarn!

Besonders beim eigenständigen Üben kommt es darauf an die jeweilige Technik, oder besser die ihr zugrunde liegenden Prinipien, den individellen Gegebenheiten anzupassen. Neben dem Alter sind dies Veranlagungen wie Körpergröße und Statur, Gewicht, Muskulatur, Geschlecht und persönliche Vorlieben bezüglich der Bewegung allgemein. Kaum eine Technik ist für alle gleichermaßen geeignet. Es ist dies ein Grund warum wir in unseren Kata so ein breites Arsenal vorfinden, von dem nur ein Bruchteil beherrscht werden kann. Ich wage sogar zu behaupten, dass nach 30- bis 40jähriger Praxis allenfalls 2 bis 3 Techniken so gut sitzen, dass sie sich im Ernstfall unter psychischem Druck einigermaßen spontan, also ohne willentliches Zutun entwicken und sich gleichsam von selbst freisetzen. Das Herausfinden dieses für einen selbst optimal geeigneten Satz an Techniken geht (wieder einmal) nur über die längerfristige Praxis. Erst durch eingehendes Studium des gesamten zur eigenen Kampfkunst zugehörigen technischen Repertoires kann eine sinnvolle Präferenz erwachsen. Mit anderen Worten, mit der Zeit stellt man von allein fest welche Techniken einem liegen und welche weniger.

Neko-ashi, eine gelenkschonende und zudem sehr praxisgerechte Fußstellung

Auch sollte man sich klar sein über die Methode(n) auf welche Weise die erwünschten Verfeinerungen erreicht werden können. Zu nennen wären etwa die optimale Bündelung und Fokussierung des Ki, d.h. aller zur Verfügung stehenden Kräfte, von der rein geistigen bis hin zu den Muskeln, Sehnen und Knochen oder ausreichende Balance, damit wir bei der Anwendung von Stoß- oder Schlagtechniken von der Wucht des Aufpralls nicht selbst umgeworfen werden. Technische Präzision erwächst aus optimierter Koordination aller an einer Bewegung beteiligten Muskeln, wobei sich keiner von ihnen zu spät oder zu früh anspannen darf, damit sich die Kochen analog einer straffen Kette verhalten. Dieser mechanische Fluß ist unter anderem gemeint wenn vom Ki gesprochen wird. Für eine entscheidungsbringende Aktion (s.o.) müssen alle „Kanäle“ des Ki frei sein. Verspanntheiten, seien sie körperlich oder emotional, behindern da nur.

Die Kenntnis  empfindlicher Stellen allein reicht nicht. Auch die Art und Weise der Manipulation muss bekannt sein.

Die Genauigkeit in der Anwendung ist Voraussetzung für eine optimale Wirkung beim Kontrahenten. Letztlich geht es um eine Einflussnahme auf dessen Ki-Fluss. Diese kann durch Manipulation von vitalen Stellen, aber auch durch Behinderung der Zufuhr von Luft zur Lunge oder Blut zum Gehirn erfolgen. Auch das Erzeugen von Schmerzen ist hilfreich. Wird der freie Fluss des Ki hinreichend beeinträchtigt oder blockiert, wird er sich hoffentlich unwohl genug fühlen und aufgeben. Im Falle von Bewustlosigkeit oder Paralyse erfolgt letzteres von selbst, erst recht natürlich bei Eintritt des Todes. Wichtig bei all dem ist das Maß der an die jeweilige Situation angepasste und gefühlvoll eingesetzen eigenen (Muskel-)Kraft. Vitalpunkte, Nervenbündel und Arterien müssen genau und in einem bestimmten Winkel getroffen werden, genau wie Strangulationen und Gelenksattacken nur an der richtigen Stelle ihre volle Wirkung entfalten.

Wir können dieses Dosieren der Kraft natürlich gut mit einem Partner üben, jedoch steht ein solcher nicht immer, und wenn dann nur zeitlich begrenzt, zur Verfügung. Zum Glück bietet das Üben der Kata auch hierfür eine Möglichkeit zum Vorankommen, und zwar durch das Setzen von Akzenten innerhalb der Bewegungen. Diese entspringen der klaren Vorstellung wo und in welchem Moment ich im Laufe eines Kampfes welche Intensität an Kraft einsetzen müsste um größtmögliche Wirkung zu erziehlen. Auch ökonomische Gesichtspunkte sollten berücksichtigt werden, vor allem da man nie weiß wie lange sich ein Kampf in der Realität hinziehen wird. Ziel nicht nur des Trainings Älterer (Jukuren) muß es daher sein im Laufe der Jahre zu einem optimal niedrigen Verhältnis von Krafteinsatz und erzielter Wirkung zu gelangen.

Nicht selten in Okinawa ist Fitness bis ins hohe Alter – Shoshin Nagamine.

Älter werdende Kämpfer verfügen nicht mehr über die Muskelkraft früherer Jahre, aus der sich Schnelligkeit und Stoß-/Schlagwirkung hauptsächlich ergeben. Die Reaktionswege werden nun länger, so dass es von Vorteil wird im Kampf zunehmend geschickter zu taktieren und aus der Erfahrung in Zeiten der Jugend zu schöpfen. Dazu ist es allerdings erforderlich, das eigene Grundverständnis bezüglich des Kampfes anzupassen, in dem Sinne „nicht die Kraft ist entscheidend, sondern das Timing“. „Intuition“ wäre ein weiteres Stichwort. Aber auch diese erwächst nur aus einem gelassenen, nicht von vordergründigen Gedanken an Stäke oder Schnelligkeit belasteten Geist.

Katzenfuß-Stellung …

„Dem zunehmenden Alter gerecht“ heißt demnach auch sich all die Zeit zu nehmen, die jeweils nötig ist. Eile hat im Budō keinen Platz. Beim Üben gilt es ins Detail zu gehen und ein subtiles Gefühl für die korrekt ausgeführte Technik zu entwickeln. Der im eigenen Innern ablaufende Lern- und Vertiefungsprozess wird einem somit immer mehr bewußt und man gewinnt zunehmend Erkenntnisse über sich selbst, eine Voraussetzung für den erfolgreichen Kampf. Denn nach dem Großen Strategen Sun Tsu ist ein sicher Sieg nur dann möglich wenn man den Gegner und vor allem sich selbst genaustens erforscht hat.

Im zweiten Teil dieses Beitrags (im nächten Monat) werde ich noch mehr auf einzelne Aspekte des Trainings bei fortschreitendem Alter eingehen. Und am Wochenende des 21./22. April 2018 wird in Lübeck zu diesem Thema ein Lehrgang stattfinden. Dort wird mein langjähriger Freund und Trainingskameraden Michael Stenke auch etwas darüber erzählen wie man erfolgreich ein Dojo aufbaut und weiterführt. Interessierte wenden sich bitte an Rainer Kummerfeldt, Genbukai Lübeck e.V., Email: rainer.kummerfeldt@online.de!

Advertisements
Veröffentlicht unter Hintergründe, In eigener Sache, Karate als Budo, Praxiserfahrungen | Verschlagwortet mit , , | Kommentar hinterlassen

Zum Jahr des Erde-Hundes

Die Feuer verlöschen und es wird ruhiger.

Jahr des Hundes

Wie zu Beginn eines jeden Jahres will ich an dieser Stelle wagen eine Prognose für das kommende Jahr anhand der Chinesischen Astrologie abzugeben, wobei ich mir vollends bewußt bin, dass diese wie immer recht unvollständig ausfallen muß, einfach weil einerseits der Platz nicht reichen würde, vor allem aber weil bei mir für weiteres detailliertere Kenntnisse fehlen.

Anders als in den Jahren des Feuer-Affen und des Feuer-Hahns geht es im kommenden, dem des Erde-Hunds, das vom 16. Januar 2018 bis zum 4. Januar 2019 dauern wird, nun nicht mehr so darum, mutig Neues zu wagen oder sich selbst in Szene zu setzen. Vielmehr sind nun wieder mehr Bodenständigkeit, also Sicherheitsdenken, Stabilität und praktische Intelligenz gefordert.

Steht nach wie vor für Moral und klaren Verstand: Konfuzius

Nach der chinesischen Astrologie ist der Hund idealistisch und unbestechlich. Er stellt, anders als etwa Affe, Hahn oder Drache, das Allgemeinwohl stets vor den eigenen Vorteil, etwas was insbesondere auf der politischen Weltbühne interessant werden dürfte. Beziehungen sollten wichtiger werden als Geld und Erfolg. Für romantische Abenteuer und emotionale Exzesse ist dabei nur wenig Platz. Der neue Regent schätzt Treue und klare Worte.

Das großspurige Gehabe des Feuer-Hahns geht vorüber und man wird wieder sachlich. Als Konsequenz können sich Konflikte durch klare Argumentation lösen – oder auch verschärfen, wodurch leider auch Kriege wahrscheinlicher werden. Eine gewisse Vorsicht ist daher angeraten.

Lange Zeit war ich der Überzeugung, dass das Tierkreiszeichen des derzeitigen US-Präsidenten der Hahn wäre. Sein Gehabe und seine Geltungssucht machen dies eigentlich wahrscheinlich. Genaueres Nachforschen hat jedoch ergeben, dass jener in einem Hundejahr (1946) geboren wurde. Dabei sucht man Sicherheitsdenken und Streben nach Stabilität bei ihm vergebens. Und praktische Intelligenz? Naja, in gewisser Weise könnte sie vorhanden sein, obwohl: wenn einer Milliarden von Dollar in den Sand setzt? ….

Metamorphose: die Maske und …

Mit diesem Widerspruch habe ich so meine Probleme, wenn mir auch bewußt ist, dass der Charakter eines Menschen nicht nur vom Geburtsjahr, sondern neben familiärer Veranlagung auch von Geburtsstunde, -woche und vor allem -monat geprägt wird. Zudem bin ich nicht gerade ein Experte der Astrolgie. Die chinesische hilft mir nur einige Verhaltensweisen meiner Mitmenschen zu verstehen, im Sinne von „er oder sie kann eben nicht anders“ (mich eingeschlossen!). Letztlich sagt keine Astrologie der Welt etwas aus über das vorhandene geistige Vermögen eines Menschen. Bestes Bespiel dafür ist denn wohl tatsächlich der orangene Herrscher Amerikas. Immerhin ist dieser in einem Jahr des Feuers geboren, was zumindest dessen Impulsivität erklären mag.

… das wahre Gesicht?

Viele der heutigen Horoskope aus direkt-chinesischer Hand zielen darauf ab, Prognosen für Beruf und Karriere zu machen, nach dem Motto, wie werde ich mit Sicherheit wohlhabend und erfolgreich? Man muß da aufpassen bezüglich Wunschdenken, auch bei den Voraussagen, welche Familie und Beziehung betreffen. Überhaupt ist es nicht leicht hier Faktisches vom Aberglauben zu trennen. All die netten billigen aber auch mitunter sehr teuren Feng-Shui-Accessoires sind ein guter Beleg dafür, wie weit wir geneigt sind uns in die Irre leiten zu lassen.

Hat überhaupt keinen Bezug zum Thema, aber was soll´s?

Wahres Feng-Shui ist sehr komplex und von seiner Wirkung her eher subtil. Wer hingegen sein Qi optimal reguliert, hat meist recht gute Vorrausetzungen für den persönlichen Erfolg. So in etwa erklärte es mir einst mein Qigong-Meister Zhichang Li. Jahresprognosen hin oder her, ein klarer Verstand gepaart mit einem einfühlsamen Herzen sind die beste Grundlage für den angemessenen Weg.

Ich wünsche allen ein ein besonnenes und von Gerechtigkeit geprägtes „Hunde-Jahr“!

Veröffentlicht unter Karate als Budo | Verschlagwortet mit , , | Kommentar hinterlassen

Besinnliches zum Advent: Gedanken zur Budowelt

„Advent, Advent … ein Lichtlein brennt …“

Nein, keine Sorge, ich will nicht schon wieder anfangen, moderne konsum-orientierte Weihnachtsbräuche oder deren sinnfremde Verquickung mit dem Budō in Frage zu stellen. Meinetwegen soll jede/r diesbezüglich nach ihrer/seiner Facon („Fassong“) glücklich werden. Vielmehr möchte ich hier einige Ergebnisse meiner November-Kontemplationen mitteilen. Aber anders als der derzeite US-Präsident tue ich dies auf dezentere Art, d.h. die/der geneigte Leser/-in muss sich die Mühe schon machen, auf diesen-meinen Blog zu gehen.

sehr zu empfehlen: St. Jakobi in Lübeck

Durch das Grau des Novembers und die kürzer werdenden Tage neigen wir ja bisweilen zur inneren Einkehr. Besonders im Norden erwächst in dieser Jahreszeit der Wunsch nach Geborgenheit oder es sich „gemütlich“ zu machen. Es ist dies ein natürlicher Vorgang und wir sollten ihn zulassen, jedoch nur aufpassen dass das ganze nicht allzu deprimierend ausfällt und positive Perspektiven erhalten bleiben.

Mitunter wird man sich auch mehr als zu jeder anderen Zeit des Jahres den steten Veränderungen bewusst, sowohl die Umgebung als auch die eigene Person betreffend. Man wird nicht jünger, ein positiver Aspekt des Älterwerdens ist jedoch die zunehmende Reife, welche aus den nicht immer angenehmen Erfahrungen des Lebens erwächst (Zu den Fragen bezüglich der Übungspraxis in reiferem Alter werde ich mich Anfang des neuen Jahres genauer äußern). Unsere Sichtweisen auf die Dinge sollten sich dem Wandel der Gegebenheiten anpassen. Dieser daoistische Ansatz mit der Welt und deren Geschehnissen umzugehen, ist nicht immer leicht umzusetzen, vor allem wenn man in jüngeren Jahren bestimmte Sachverhalte als richtig anerkannt und diese gleichsam wie naturgegeben ins eigene Weltbild eingebaut hatte. Es ist nicht gerade angenehm wenn die eigenen Prinzipien ins Wanken geraten.

Budo-Literatur damals ..

Den geschickten Krieger zeichnet eine flexible Einstellung aus, durch die er eine auf die jeweilige Situation abgestimmte Handlungsweise bevorzugt, ohne dass grundlegende Prinzipien geopfert würden. Unsere alten Meister, wie etwa Choki Motobu, Kenwa Mabuni, Chojun  Miyagi und vor allem Gichin Funakoshi wären gute Beispiele für eine solche Grundhaltung. Und nicht zu vergessen Anko Itosu, der die Zeichen der Zeit erkannte und den damals sicher nicht unumstrittenen Schritt wagte das Karate für alle zugänglich zu machen.

Auch unsere Kampfkunst ist dem steten Wandel unterworfen. Ich mag kaum zurückdenken an das was uns damals, in den 70er Jahren und davor, so alles unter der Aufschrift „Karate“ vorgemacht wurde. Nun gut, man wusste es von Seiten der Trainerschaft ja auch nicht besser. Aber damals schon gab es einige, die suchten, während andere meinten schon alles zu wissen. Ich hatte mich für den etwas beschwerlicheren Weg entschieden und beschlossen zu suchen.

… und heute

Das äußere Bild des Karate hat sich seitdem grundlegend geändert, besonders die Art und Weise wie geübt wird sowie die gesamte Einstellung gegenüber einer Kampfkunst, die bis vor rund 150 Jahren noch streng geheimgehalten wurde. Dass Zugeständnisse nötig waren um das Karate öffentlich machen zu können und nicht mehr einem erlauchten Kreis Auserwählter  zu vermitteln, sollte uns allen klar sein – oder werden. Karate ist lange nicht mehr die „Kunst der tödlichen Schläge“, allenfalls eine Kunst, die sich mit dem Kampf als solchen befasst und die leider auch zunehmend zum reinen Turniersport wird. Zum Glück gibt es aber auch Tendenzen dem letzteren entgegen zu wirken.

Frauen im Karate früher: Emma Peel, Expertin der Handkante

Tatsächlich wissen wir heute recht viel über das Karate als asiatisches Kulturgut, als Übung zur Formung von Körper und Geist oder gar als Weg zur persönlichen Entwicklung hin zum guten Menschen. Aber aufgepasst: das was wir wissen, könnte sich schnell als nur die Spitze eines Eisbergs mit dem Namen Kampfkunst erweisen. Wir können kaum abschätzen, was noch alles im Verborgenen liegt. Es ist dies ein Problem, das auch die moderne Wissenschaft umtreibt und schon von den griechischen Philosophen erkannt wurde. „Ich weiß, (zumindest) dass ich nichts weiß (nicht viel, im Verhältnis zu dem was da noch kommen kann)“ ist ein bekannter auf Sokrates zurückgehender Satz. Leute, die behaupten alles zu wissen gibt es leider nur allzu viele.

Frauen im Karate heute!

Rückblickend auf 45 Jahre persönlich erlebte Karate-Geschichte, würde ich behaupten, dass wir heute recht gute Möglichkeiten haben uns die nötigen Infos für ein ernstzunehmendes Training anzueignen. Auch ist durch die Fachverbände, allen voran der Deutsche Karate Verband ein gut durchorganiserter Sport-, Trainings- und Fortbildungsbetrieb gewährleistet. Viele kleinere z.B. auf Kobudō oder einen bestimmten Stil spezialisierte Organisationen füllen eventuelle Angebotslücken. Allerdings hege ich meine Zweifel ob das Bestreben Karate olympisch werden zu lassen wirklich als Fortschritt zu werten ist. So manches, das als großer Gewinn proklamiert wurde, erwies sich später eher als das Gegenteil. Ich meine, wir sollten bei dem allgegenwärtigen vermeintlichen Fortschritt unsere Wurzeln nicht vergessen. Wie schon Konfuzius sagte, kann das Verständnis für das Gegenwärtige nur über das Studium des Vergangenen erlangt werden. Auch vertrat er die Ansicht, dass alles Handeln durchdacht und von innerer Überzeugung erfüllt sein sollte (klingt irgendwie auch nach Kant).

Kulturelle Gegensätze – Movie „Santa´s Slay“

Bei den Weihnachtsbräuchen, aber auch bei all jenen kleinen Riten, die wir im Dojo praktizieren sollte uns klar sein was wir da eigentlich tun. Zwar bin ich nicht besonders fromm, mir aber meiner europäischen und damit christlich geprägten  Abstammung durchaus bewusst. Europäisch, das bedeutet aber auch facettenreich und durch positive Werte geprägt, von denen zwar eine ganze Menge aus der christlichen Lehre stammen, aber eben nicht alle. Zudem sollte uns das viele Unrecht und Leid, das im angeblichen Nahmen Christi in vielen Jahrhunderten in die Welt gebracht wurde uns alle mahnen, insbesondere wenn sich bestimmte Politiker immer noch anschicken überheblich über andere Völker oder deren Kultur und Religion zu urteilen und versuchen ihnen das was sie für die „wahre“ Demokratie halten aufzuzwängen.

Meister Miyagi

Viele oder vielleicht sogar die meisten unserer in Advent und Weihnacht gepflegten Bräuche sind denn gar nicht so christlich wie sie auf den ersten Blick erscheinen mögen. Das zu erkennen und zu akzeptieren ist meiner Sicht von Vorteil, denn wenn wir deren Herkunft ergründen, dann stärken wir unsere eigenen Wurzeln. Starke Wurzeln sind für uns nötig, wollen wir uns nicht irgendwann in der Welt des Konsums und der Dekadenz verlieren. – „Starke Wurzeln … “ – Zitat von Meister Miyagi im Film Karate-Kid 3.

Ein Grog – wärmt von innen.

So schließe ich denn meinen kontemplativen Exkurs mit den besten Wünschen zu den Rauhnächten, dem Perchtenlaufen, der Zeit zwischen den Jahren. Besonders die  Nacht zum 1. Januar, in der unsere Welt nach altkeltischer Sicht besonders instabil wird und die Grenzen zu anderen Welten durchlässig werden, sollte man nicht allein verbringen. Auch sollte man viel Lärm machen, damit Dämonen und übelgesinnte Geister bald wieder vertrieben werden.

Viel Schwein zum neuen Jahr!

Dann also: Guten Rutsch! …. Naja, doch irgendwie ein seltsamer Wunsch, von dem die meisten kaum wissen woher dieser eigentlich stammt. Das jüdische Neujahr heißt Rosh ha Shanah, wörtlich „Kopf des Jahres“. Auf Jiddisch wünscht(e) man sich in der Zeit um diesen Feiertag „a git Rosch„, also „einen guten Kopf„, wohl im Sinne von gutem (Jahres-)Beginn. Dakammamasehn (da kann man mal sehen)!

So, jetzt reicht´s aber. Allen ein gutes und produktives Jahr 2018!

Oder vielleicht doch noch etwas ganz speziell Besinnliches?

 

 

 

Veröffentlicht unter Karate als Budo | Kommentar hinterlassen

Zeitgeist

Nach Monaten längerer Abstinenz erfüllt mich wieder das Bedürfnis mich zum Geschehen in der Welt – nicht nur der des Budō – zu äußern.

„Nach dem Alten suchen, heißt das Neue verstehen“ war ein von Meister Gichin Funakoshi gerne zitierter Satz des Konfuzius. Auch ich hatte mir schon das eine oder andere mal erlaubt hierauf Bezug zu nehmen.

Früheste Literaturbeispiele

Die Geschehnisse in vielen Teilen der Welt lassen uns fragen, was da eigentlch abgeht. Da streben welche nach politischer Unabhängigkeit, und das in Ländern in denen noch vor ungefähr 30 Jahren komplett Gegenteiliges vorherrschte. Wie etwa in Ländern der ehemaligen Sowjetunion, die nun auf einmal ´raus wollen aus der EU. Besonders brisant ist die Lage in Spanien: Die Katalanen fordern einen eigenen Staat, wohl wissend, dass sie dann bis auf weiteres in der Welt völlig isoliert dastehen werden und alle politischen und wirtschaftlichen Verbindungen von Grund auf neu aufbauen müssten. Es wären dies Prozesse, die früher für andere Länder Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte der diplomatischen Anstrengung bedeuteten.

Auch wir Deutschen sollten sehr gut darüber Bescheid wissen war früher war und entsprechend handeln (z.B. wählen gehen) anstatt uns in Parolen der Schuldzuweisung zu verlieren, wie es eine neue namhafte Partei gerne zu tun pflegt.

Das erste ernstzunehmende Standardwerk

Noch einmal zu Spanien: Anfang des 12. Jahrhunderts hatte sich ein katalanischer Adeliger, der Graf von Barcelona freiwillig (!) mit der Königen von Aragón vermählt, wodurch Katalonien nun zu Aragón gehörte und später Teil der gesamtspanischen Geschichte mit all ihren territorialen Fluktuationen wurde. Dass zwischenzeitlich Unrecht und Unterdrückung herrschten will niemand abstreiten. Es ist dies aber keine rein katalanische Erfahrung und somit sind entsprechende Argumente, die von populistisch geprägten Politikern der Region bei ihren Unabhängigkeitsbestrebungen vorgebracht werden, bei genauerer Betrachtung der Geschichte kaum relevant. Eher geht es um Geld, Prestige und letztlich viel Emotion.

Leider haben wir Menschen uns von unseren Vorfahren des Stein-Zeitalters in dieser Hinsicht kaum fortentwickelt. In uns regieren nach wie vor die selben archaischen Existenzängste mit den damit verbundenen irrationalen Egoismen wie vor Jahrtausenden.

Karategi a la Miyagi – Anfang 20. Jahrhundert

Der Weg des Budō sollte dabei helfen dies zu überwinden. Dieser besteht ja, zumindest habe ich es so verstanden, aus einem Wechselspiel von Vernunft und Emotion. Über die tägliche Praxis lernen wir unsere Gefühlesregungen zu ergründen und sie vermittels des Ki in positive Richtungen zu lenken. Zugleich sollten durch die verbesserte Verfassung unseres Körpers auch Funktionen des Hirns gestärkt werden, was bedeutet, dass wir durch unser hartes Körpertraining auch unseren Geist schärfen, klarer denken und dadurch Zusammenhänge erkennen, die uns ohne dem womöglich verborgen blieben.

Kenwa Mabuni erscheint fast schon modern; der Anzug selbst entsprach aber noch eher einem Judogi

Eine Grunderkenntnis seit der Antike – auch der europäischen – ist, dass jedweder Konflikt das Potenzial zur Zerstörung bietet, weshalb zumindest die weisen Krieger seit jeher versuchten, den Einsatz von Gewalt zu vermeiden, sei es im Kampf Mann gegen Mann oder indem einem realen Krieg mit verlustbringenden Schlachten lieber der Diplomatie, meist in Form von (Heirats-)Bündnissen zwischen den machthabenden Familien, der Vorzug gegeben wurde. Ich denke da z.B. an Maximilian von Östereich.

Ausgetragene, d.h. nicht auf kommunikativem Wege gelöste Konflikte bedeuten immer heeren Verlust. Leider wird dies im Überschwang der Emotionen schnell vergessen. Und so kommt es leider immer wieder vor, dass die Ergebnisse harter Arbeit von Generationen von Menschen, wie viele Monumente der Geschichte, in kürzester Zeit teils unwiederbringlich zerstört werden. Die EU, so fehlerbehaftet sei aus sein mag, hat uns Jahrzehnte friedlichen Zusammenlebens gebracht, von den wirtschaftlichen Vorteilen und den vielen Frei(!)zügigkeiten etwa beim Reisen ganz zu schweigen. Schritte zurück bringen da nur Verluste – gerade auch von einer ganzen Reihe von liebgewordenen Kauf- und Reisegewohnheiten! Die sogenannte Freiheit der Populisten bedeutet in Wirklichkeit Rückkehr zur Einschränkung und Immobilität.

Es ist ratsam aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen, den eigenen und denen anderer. Einen schweren Fehler in der Gegenwart begehen andersherum viele Zeitgenossen wenn sie annehmen: Diese/m oder jene/r hatte kein Glück bei ihrem/seinen Vorhaben, darum ging es (was auch immer) schief, aber mir wird es schon gut gehen … totaler Trugschluss!

„Mode“ der 60er Jahre: extrem kurze Jacken.

Auch sollte man wissen, wann bei einer Sache die beste, d.h. maximal produktive Zeit um ist. Dies betrifft vor allem auch das Innehaben von verantwortungsvollen Stellungen. Wie schon Gregor Gysi mehrfach anmekte: „Man muß wissen wann´s vorbei ist. Sonst wird man statt in guter eher in unangenehmer Erinnerung behalten.“ Helmut Kohl machte es vor wie es nicht sein soll, seine Nachfolgerin scheint ihm auch in dieser Hinsicht nachzueifern. Leider sind wir in den Organsisationen derer, die sich dem Budō widmen, nicht von einer derartigen Inflexibilität gefeit. Zu viele Funktionäre und nahmhafte Chief-Instruktoren scheinen auf ihrem jeweiligen Thron regelrecht angeleimt worden zu sein. Sie halten sich für unersetzlich, aus der Überzeugung heraus, dass eventuelle Nachfolger ihre Arbeit kaum ebenso gut ausführen zu könnten. Oder sie befürchten, dass jene in der Lage wären ihre Aufgabe sogar noch besser oder zumindest einfach einmal anders zu bewerkstelligen. Auf das Ergebnis sollte es jedoch letztlich ankommen, nicht so sehr auf das „wie“. Man korrigiere mich!

80er Jahre – Der Anzug war noch etwas neu ….

Was ich mit all dem ausdrücken möchte ist, dass ich es als falsch erachte unreflektiert dem Vergangenen nach dem Motto „Früher war alles besser“ anzuhaften. Die Welt war schon immer im Wandel und es überlebten jeweils nur jene, die sich dem anpassen konnten – oder wollten. Andersherum sollte man auch nicht jeden Trend mitmachen, nur weil er neu ist, angeblich mehr Komfort oder sonst welche Vorteile verspricht: Kritische Distanz zu den Umständen, auch zu den eigenen, sollte bewahrt werden. Als wahrer Bushi des alten Japan war man in der Pflicht die Dinge genau zu reflektieren, bevor Unschuldige entzwei geschnitten, d.h. umgebracht wurden. Gleichwohl wurden nur wenige Samurai dieser Maxime gerecht.

Natürlich ist auch unser Karate in stetem Wandel. Was vor 50 Jahren als „neu“ galt, ist heute veraltet. Und auf der „Suche nach dem Alten“ finden wir bei unserer Forschung ständig – zumindest für uns – Neues. Kurios: Nach dem Alten suchen, kann auch bedeuten neue Sichtweisen zu finden.

Erste Erprobung von Protektoren.

Wichtig finde ich auch, dass wir das rechte Tempo bewahren und besonnen vorgehen bei all unserem Tun. Persönlich gelte ich deswegen in meinem Umfeld bei einigen Leuten als ein wenig rückständig, z.B. weil ich „nur“ ein „Handy zum Telefonieren“ (und sonst nix) besitze und nicht jedes Jahr das ultmativ neueste Smartphone mein eigen nenne. Das bedeutet jedoch nicht, dass ich eines Tages nicht auch ein Smartphone benutzen werde, wenn dann gewährleistet ist, das dafür in den afrikanischen Cobalt- und Litium-Minen keine Negerkinder mehr schuften müssen.

Abschließend vielleicht noch die Anmerkung, dass die auch von mir vertretene Prognose bezüglich der diesjährigen chinesischen Astrologie – Jahr des Feuer-Hahns – bei weitem übertroffen wurde. Das derzeitige weltpolitische Geschehen kann einem Angst machen. Aber der wahre Krieger bewahrt äußere und vor allem innere Ruhe. – Häufig jedoch leichter gesagt als getan …

Bei der Fotoauswahl für diesen Post habe ich versucht ein wenig den Wandel im Bereich des Karate im Laufe der Zahrzehnte in Bezug auf Literatur und „Mode“ zu reflektieren. Etwas arg kurzweilig vielleicht, aber sei´s drum. Wichtig bei deren Betrachtung: Die Art der Barttracht Meister Mabunis war damals allgemein modern und nicht nur einem bestimmten Politiker östereichischer Abstammung vorbehalten!

Veröffentlicht unter Karate als Budo, Moral und Ethik, Werte der Kampfkunst | Verschlagwortet mit , , | Kommentar hinterlassen

Rückschau zum Neuen Jahr 2017:

ein wahrer Feuer-Hahn

ein wahrer Feuer-Hahn

Zum vorigen Jahreswechsel 2015/2016 hatte ich auf 5 Jahre Karate als Budo zurückgeschaut. Diese Website sollte ja – zugegebenermaßen – im wesentlichen dazu beitragen zunächst das Buch mit gleichem Titel und in Folge das zweite Werk über den Wert der Kata in unserer Kampfkunst bekannt und attraktiv zu machen. Im Laufe der Zeit entwickelte sie sich dann jedoch zunehmend zu einer Plattform, auf der nicht nur ich mich zu bestimmten Aspekten der Budō-Praxis äußerte. So sollte es zum Ende des vorletzten Jahres, nachdem so ziemlich alles die Übungspraxis Betreffende benannt und von verschieden Seiten her ausgeleuchtet wurde, eigentlich zu einem Abschluss kommen, wobei ich mir durchaus klar war, dass dieser wahrscheinlich nur vorläufig sein würde. Aufgrund einiger Anfragen von Lesern von Blog oder Buch schrieb ich daher doch noch den einen oder anderen (Antwort-)Kommentar.

Meine Prognose bezüglich der chinesischen Astrologie hat sich in weiten Zügen bewahrheitet: Das Jahr des Feuer-Affen hatte so manche Überraschung gebracht, von denen nicht wenige wegen der im nach dem System der „Flying Stars“ im Zentrum aller Gebäude befindlichen Krankheit und Unglück symbolisierenden Zwei ziemlich fatal anmuten. Vor allem im politisch-wirtschaftlichen Bereich können diese durchaus Ängste hervorrufen, jedoch möchte ich hierauf nicht weiter eingehen. Nur soviel: Fanatismus war noch nie dem Wohl der Menschen zuträglich. Mehr noch, jedweder Extremismus schadet, und das auch in der Tier- und Pflanzenwelt, d.h. letztlich in der gesamten Natur.

Lübecker Weihnachtsmarkt am Koberg

Lübecker Weihnachtsmarkt am Koberg – einer von mehreren

Gerade für uns Budōka im Norden Europas kann dies bedeuten, dass wir besonders in der „Zeit zwischen den Jahren“ unserer in unserem Innersten verwurzelten Neigung zur Kontemplation nachgehen sollten, anstatt ständig dem scheinbaren Zwang zum immer-währenden Training anzuhängen. Ich will damit sagen, dass die Technik kaum darunter leiden wird, wenn man/frau sich einmal einige Tage oder gar Wochen weniger quält und das eigentlich positiv geprägte weihnachtliche Ambiente genießt.

nicht nur wein-geistiges ..

Punschbude

Ich schreibe dies hier auch im Sinne der von den Lebensjahren her etwas fortgeschritteneren Budōka, von denen es mittlerweile schon recht viele gibt. Man sollte sich selbst gegenüber ehrlich sein und die mit zunehmenden Alter auftretenden physischen „Randerscheinungen“, also abnehmende Körperkräfte und dafür länger andauernde Regenerationsphasen, akzeptieren. Vor allem aber sei nicht zu vergessen, dass die Praxis des Budō uns dienen soll, und zwar auf vielschichtige Weise, jedoch nicht umgekehrt! Ich erwähnte es bereits mehrfach: Wer meint dem Sport dienen zu müssen, womöglich noch ganz aufopferungsvoll, der/die hat etwas falsch verstanden. Hingabe ist etwas anderes.

Jubiläumslehrgang

Jubiläumslehrgang …

Für viele hat Budō auch etwas mit Tradition zu tun. Es gilt das Alte zu ergründen um das Präsente zu verstehen – sagte schon Konfuzius. Viele unserer Traditionen und Bräuche wurden von weisen Leuten erdacht oder eingeführt, um den Menschen Hoffnung und ein Gefühl der Geborgenheit in einer (früher noch weit mehr) bedrohlichen Welt zu vermitteln. Eine ganze Reihe religiöser Praktiken und Riten gehört dazu, auch gerade solche, die wir in der Zeit des Advents und des anbrechenden neuen Jahres zu begehen pflegen. Wenn wir nur ihren tieferen Sinn verstehen und somit ihren Wert erhalten oder auch wiederfinden, dann werden sie auch für die/denjenigen attraktiv, die nicht besonders fromm sind (so wie ich).

Die Praxis Budō soll ja eigentlich von den Extremen wegführen. Zumindest ergibt sich dies sowohl aus dem ihm zugrundeliegenden konfuzianischen Gedankengut, als auch dem buddhistischen Prinzip des Mittleren Weges – von daoistischer Gelassenheit einmal ganz abgesehen. Die tägliche Übung – im Sinne von konstant und regelmäßig – kann helfen zum besseren Menschen zu werden (was das auch immer sein mag), durch ein straffes Regelwerk, Normen und die aus der beständigen Übung erwachsenden inneren Moral.

Erläuterungen

.. wie immer mit zahlreichen Erläuterungen …

Für mich verlief das vergangene Jahr mit seinem das eher Unvorhergesehene unterstützende Einfluss des Feuer-Affen durchaus positiv. Mehrere Bekanntschaften/Kontakte aus vergangenen Tagen lebten wieder auf. Besonders gefreut habe ich mich über die Zuschrift eines „alten“ Kameraden aus Zeiten des S.K.I. und seine recht positiv ausfallenden Beurteilung meines Buches über die Kata, Dr. Wolfgang Herbert, der mittlerweile schon lange in Japan lebt und als Professor für Vergleichende Kulturwissenschaften an der Universität Tokushima tätig ist (s. Kontakte). Einige seiner die japanischen Wortbedeutungen und Schreibweisen betreffenden Kritikpunkte  werden bestimmt bei der (hoffentlich) nächsten Auflage des Buches mit einfließen. In dem sich anschießenden Schriftwechsel konnten wir eine Menge an Meinungen und Erfahrungen austauschen. Dabei stellte sich heraus, dass wir maßgeblich von einem besonderen japanischen Instruktor profitieren konnten. So konnte auch auf diese Weise einem meiner bedeutendsten Lehrer, dem leider schon vor vielen Jahren verstorbenen Sensei Yasuyuki Fujinaga eine weitere ihm angemessene späte Würdigung zuteil werden. Überhaupt ist mein Betrag über Sensei Fujinaga mit der meistgelesenste und -kommentierte.

Angetan war ich auch über die Einladung zu dem anlässlich seines 30jährigen Jubiläums stattfindenden Lehrgang des Karatevereins Genbukai Lübeck e.V., bei dem ich lange Jahre als Trainer gearbeitet und als Vorsitzende fungiert hatte.

Flying Stars 2017

Flying Stars 2017

Nun fehlt nur noch eine Vorausschau auf das kommende Jahr. Am 28. Januar beginnt nach dem chinesischen Kalender das Jahr des Feuer-Hahns. Vieles wird fortan übertrieben und hochgespielt, wobei nicht unbedingt die entsprechenden Taten folgen werden. Ins Zentrum der Häuser tritt jedoch nach dem System der „Flying Stars“  die Eins, eine positive Zahl, die Sieg oder besser gesagt Erfolg im Wettbewerb symbolisiert. Es sollte einem demnach doch einigermaßen leicht fallen die eigenen Vorhaben real werden zu lassen

Im Jahr des Feuer-Hahns haben wir alle die Chance, unser volles Potenzial auszuschöpfen.  Doch um dies tun zu können, müssen wir zuerst mit uns selbst im reinen sein und lernen unsere Stärken auf die richtige Art und Weise einzusetzen. Nach der chinesischen Astrologie ist der Hahn sehr offen und selbstbewusst, andererseits sehnt er sich nach Bestätigung und Bewunderung. Dies ist jedoch nicht als Aufruf zu verstehen, egoistisch(er) zu werden. Vielmehr geht es darum besonders in diesem Jahr selbstsicher aufzutreten, souverän zu handeln und an die eigenen Fähigkeiten zu glauben. Die Energie des Feuers, welche das Jahr dominiert, kann Vorteile haben, indem wir sie zusätzlich zu der für den Hahn typische Tatkraft für die eigene Motivation nutzen.

gehört zum Jahreswechsel dazu: Rückschau der besonderen Art

gehört zum Jahreswechsel unbedingt dazu: Rückschau der besonderen Art

Das kommende Jahr kann somit die Gelegenheit dafür bieten, Probleme aus dem letzten Jahr noch einmal zu überdenken und dadurch angemessene(re) Lösungen zu finden. In diesem Jahr kann auf allen Ebenen viel erreicht werden. Allerdings wird es nicht leicht, wir müssen bereit sein, hart dafür zu arbeiten. – Ich wünsche allen ein gedeihliches Jahr voll Freude und Zuversicht, verbunden mit der Gabe zum konstruktiven und damit zum produktiven Tun!

Veröffentlicht unter Heiteres zum Budo-Alltag, Hintergründe, In eigener Sache, Karate als Budo | Verschlagwortet mit , , | Kommentar hinterlassen

von Kime und Kiai

In früheren Epochen der Karate-Ausbildung war der Begriff „Kime“ recht häufig zu hören. Japanische Instruktoren ermahnten ihre Schüler, wenn diese bei der Übung allzu nachlässig waren, dass es ihnen an kime fehlte. Jedoch wurde der Begriff praktisch nie wörtlich übersetzt, womit dieser seiner tieferen Bedeutung verarmte und von uns deutschen Karateka im Sinne von „kräftig“, „mit Spannung“ oder „mit vollem Einsatz“, später auch noch im Sinne von „Fokussierung“ gebraucht wurde. Entsprechend mutete das äußere Erscheinungsbild des Karate allgemein sehr rigide an und Exponenten anderer Kampfkünste belächelten uns. Während der letzten 20 Jahre wurde der Begriff zunehmend seltener gebraucht, wohl auch weil man sich vermehrt der Starrheit bei der Ausführung der Technik bewußt wurde und von ihr weg wollte. Oder man meinte sich mit „edleren“ Aspekten der Karate-Praxis, wie dem Erlernen möglichst exotischer Kata oder deren Bunkai beschäftigen zu müssen. Dabei ist Kime ein essenzieller Aspekt jedweder Kampfkunst, nicht nur des Karate.

BuchdeckelBeim Verfassen meiner Bücher war ich naturgemäß darauf bedacht, mögliche Fehler so gut es geht zu vermeiden, weshalb ich zu jedem Fachausdruck dessen Bedeutung genau recherchierte. Daher lernte ich selbst während des Schreibens nicht gerade wenig hinzu, so auch in Sachen kime. Das japanische Verb kimeru, von dem sich kime ableitet, heißt auf deutsch soviel wie „entscheiden“, ist also in keiner Weise mit einer spirituellen oder philosophischen Bedeutung behaftet. Aber was hat so ein Ausdruck der japanischen Alltagssprache mit der Ausführung einer vermeintlich tödlichen Technik zu tun?

Um dies zu verstehen, ist es meiner Meinung nach nötig mit der Legende aufzuräumen, die da lautet es wäre im Karate möglich einen Angreifer mit einem einzigen („tödlichen“!) Schlag oder Stoß niederzustrecken. Seit Anbeginn geistert diese Idee unter den Karateka und, schlimmer noch, außerhalb unserer Fachkreise herum. Dabei handelt es sich um eine Fehlinterpretation einer Maxime, die z.B. in den Werken von Kenwa Mabuni als „mit nur einem Schlag siegen“ benannt wird. Aber „siegen“ bedeutet nicht zwangsläufig, dass der Gegner kampfunfähig oder gar tot wäre.

Der Sieg (im Sinne des Budō) ist Bestandteil der Lösung eines Interessenskonflikts, in dem die Seite mit den stärkeren Argumenten dominiert und daher im Anschluss über den Unterlegenen mehr oder weniger verfügen kann. In praktisch allen Bereichen des täglichen Lebens ist dies so und zumindest heute wird die Konfliktlösung eher selten noch mit Gewalt herbeigeführt. Jedoch gibt der Sieg einem nicht nur eine gewisse Macht, sondern auch Verantwortung. Der Sieger ist nicht selten geneigt seine errungene Position auszuspielen. Entsprechend mahnt der Große Stratege Sun Tsu dies mit Bedacht zu tun. Langfristig habe man mehr davon wenn man den besiegten Gegner „gut behandelt“.

spektakulär heißt nicht unbedingt wirksam

spektakulär heißt nicht unbedingt wirksam

Wenn die alten Meister des Karate betonten möglichst mit nur einer Technik den Kampf zu entscheiden, so war dies eine Folge der damals in einem handgreiflichen Konflikt meist zu ungleichen Bedingungen  sich gegenüberstehenden Gegner. Während der mehrere Jahrhunderte andauernden Besetzung der Ryūkyū-Inseln durch den japanischen Satsuma-Klan war es den inselstämmigen Beamten verboten in der Öffentlichkeit Waffen zu tragen, nicht hingegen den japanischen Samurai. Bei den nicht selten in einen Kampf ausartenden Streitigkeiten zwischen diesen hatten erstere naturgemäß kampftaktische Nachteile. Wahrscheinlich war es Sōkon Matsumura, selbst Meister des Jigen-ryu, einer sehr aggressiven Variante des japanischen Schwertkampfs, der erkannte, dass ein unbewaffneter Kämpfer nur solange eine realistische Chance hatte wie das Schwert des anderen nicht frei manövrierbar war. Beim Ziehen besteht eine solche Schwäche und zudem braucht es für einen erstzunehmenden tiefen Schnitt eine recht große Ausholbewegung. Beides sind, wenn auch bei einem versierten Schwertkämpfer nur recht kurze Momente, in denen der Unbewaffnete dem anderen zuvorkommen kann. Ziel sollte es für ihn dann gewesen sein dem Gegner den weiteren Gebrauch seines Schwertes zu erschweren oder besser noch unmöglich zu machen. Dies geschieht im Tōde-jutsu idealerweise durch einen möglichst harten Schlag auf die das Schwert haltenden Hände oder den jeweiligen Unterarm. Wenn der Gegner dann seine Waffe (vor Schmerz) kaum noch halten kann, dann ergeben sich für den anderen aufgrund des nun verminderten Risikos verschiedene Wege hin zu einem endgültigen Sieg.

Ich meine, dass hier die für das Karate, insbesondere für das Shuri-te typische Grundstrategie mit ihren hart auszuführenden „Abwehrtechniken“ herrührt. Die Anführungsstriche sollen hier andeuten, dass es sich bei jenen Techniken gar nicht um reine Abwehren handeln kann, sollen sie ihren Sinn erfüllen und den Gegner von weiteren Angriffen abhalten. Sie müssen, sollen sie wirken und zumindest starke Schmerzen verursachen, mit der dazu nötigen inneren Einstellung, nämlich der Absicht eines Angriffs ausgeführt werden. In einer solchen Weise haben sie dann kime, denn sie entscheiden wesentlich über den weiteren Verlauf des Kampfes, der sich durchaus noch einige Zeit hinziehen kann, denn nicht jeder Gegner ist zu einer realistischen Einschätzung seiner Situation in der Lage und der damit verbundenen Einsicht fähig.

volle Wirkung

volle Wirkung

Der historische Exkurs sollte deutlich machen, worum es bei Kime wirklich geht: um eine den Verlauf eines Kampfes entscheidende Aktion, die den Gegner hinreichend schwächt. Die Schwächung muss dabei nicht unbedingt auf rein körperlicher Ebene, etwa durch Schmerzen, Unwohlsein, Schwindel, Bewusstseinsverlust oder Tod erfolgen. Zum Ideal des fortgeschrittenen Kriegers gehört es, den Gegner nur soweit zu schädigen wie irgend nötig, am besten jedoch gar nicht, was sehr schön von Morihei Ueshiba im Aikido umgesetzt wurde. Sofern es einem gelingt den Gegner auf emotional-geistiger Ebene zu schwächen, d.h. er erkennt, dass der Gebrauch von Gewalt nicht zwangsläufig zufrieden macht, dann wäre das der beste Sieg mit maximaler Perspektive für beide beteiligten Parteien. Und wenn er auch einfach nur die Lust oder den Mut verliert weiterzukämpfen, weil er erkennt, dass er einem unterlegen ist: auch das wäre gut.

Um dorthin zu kommen bedarf es jedoch des kompromisslosen Vorgehens während des Kampfes. Dem Gegner muss klar werden, dass man wenn nötig zu allem bereit ist. Es handelt es sich hierbei um ein geistiges Fokussieren, dem wahren Willen zum Sieg, der – ich wiederhole es noch einmal – nicht unbedingt die totale Niederwerfung des „Feindes“ oder gar dessen Tod zur Folge haben muss.

perfektes Timing: Kyuzo Mifune

perfektes Timing: Kyuzo Mifune

Bei Kime geht es sich somit zunächst um einen rein emotional-geistigen Prozess. „Emotional“ bedeutet, dass alle Gefühlsregungen, auch und besonders die negativen,  für den Kampf auf ein Minimum reduziert werden müssen. Sie würden sonst den freien Fluss des Ki einschränken und unsere Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen. Denn nur bei vollkommen ungetrübtem Geist manifestiert sich die für die jeweilige Lage des Kampfes optimale technische Re-/Aktion. Diese erwächst unter anderem aus den gegebenen Bedingungen, etwa dem Verhältnis der rein körperlichen Kräfte beider Gegner. Über die Wirksamkeit der Technik entscheiden zudem der korrekte Abstand und der richtige Zeitpunkt der Ausführung. Stimmen diese Größen nicht, dann kann sich die volle Wirkung der Technik nicht entfalten, sie kann somit den Kampf nicht entscheiden und die gesamte Aktion besitzt somit auch kein Kime.

Stimmen die raumzeitlichen Verhältnisse, dann muss letztlich auch genügend Kraft eingesetzt werden, d.h. Kime hat sehr wohl damit zu tun, die eigene Kraft zu bündeln und zielgerecht auf den Punkt zu bringen. Allerdings wird es nur in den seltensten Fällen nötig sein das gesamte einem zur Verfügung stehende muskuläre Potenzial dafür aufzuwenden. Vielmehr ist die Koordination ausschlaggebend. Die Technik muss genau platziert sein, während sich die optimale Kraftentfaltung aus dem harmonischen Zusammenspiel der beteiligten Muskeln, Knochen und Nerven ergibt. Andersherum ausgedrückt, alle nicht an der Bewegung beteiligten Teile des Körpers sind in Ruhe und die entsprechenden Muskeln entspannt(!). Dies gilt übrigens auch für Wurf-, Würge- und Hebeltechniken und alle Vitalpunktdruckmanipulationen, denn diese Art von Aktionen können ebenso gut entscheidend für einen Sieg werden. Für alle Techniken des Kampfes bedarf es daher neben ausreichender, aber dosierter Körperkraft vor allem des nötigen Feingefühls für deren korrekte Platzierung und den rechten Moment der Ausführung. Ohne das stimmige „Feeling“ ist Kime kaum möglich, da kann man sich noch anstrengen.

perfekter Moment

optimaler Moment

Ziel bei der Übung von Kata und Kihon sollte es daher sein die mit dem Partner oder dem Gegner im (sportlichen) Freikampf auf körperlicher und emotional-gesitiger Ebene errungenen Erfahrungen mental umzusetzen, d.h die präzise Vorstellung von dem was man tut wird wesentlicher Bestandteil der Übung. Hierzu gehört natürlich auch das kurzzeitige Anspannen der gesamten Muskulatur im Moment des imaginären Auftreffens von Hand, Faust oder Fuß am gegnerischen Körper. Die hierdurch erlangte Stabilität ist wiederum notwendige Bedingung für die Wirksamkeit der jeweiligen (harten) Technik. Darüber hinaus gilt es nicht nur bei den harten Angriffs- sondern auch beim Ausführen der  Abwehrtechniken im Moment des (gedachten) Kontaktes mit dem gegnerischen Arm oder Bein zusätzliche Kraft in die ansonsten zügige Bewegung fließen zu lassen. Dieser von mir gerne als „Akzentuierung“ bezeichnete, innerhalb der gesamten Bewegung der zu variierende Krafteinsatz schafft erst die Voraussetzung für eine erfolgreiche Anwendung jedweder Technik.

Durch das entsprechende  Nachspüren der Technik im Zuge der Ausführung werden die „Kanäle“ für das Ki zu geöffnet. Für eine entscheidungsbringende Technik ist der harmonische Fluss unseres Ki Grundvoraussetzung, weshalb es nicht ganz falsch ist, zumindest während der Kata eine mit optimalem Kime ausführte Aktion mit einem „Kiai“ zu verbinden. Allerdings handelt es sich bei den üblichen lautstarken Äußerungen allein noch nicht wirklich um kiai. Die in „Gleichklang gebrachte Lebensenergie“, was kiai ja bedeutet, kann sich auf diese Weise erkennbar machen, das Brüllen allein genügt jedoch nicht. Andererseits kann das beherzte Schreien auch emotionale Blockaden lösen, wodurch sich der Fluß der Ki stabilisieren oder verstärken kann. Letztlich zwingt einen das tonintensive Artikulieren, z.B. eines zerdehnten „ee-ih“ oder „yaah“, zum Ausatmen, einer weiteren Voraussetzung von optimaler Kraftentfaltung.

entscheidungsbringende Aktion

Entscheidungsbringende Aktion?

Die Begriffe Kime und Kiai lassen vom Klang her Gemeinsamkeiten vermuten, jedoch haben von der reinen Wortbedeutung her nichts miteinander zu tun. Erst aus der vertieften Betrachtung ergibt sich sich deren für uns wichtige Zusammenhang. In meinem ersten Buch hatte ich ja schon ein ganzes Kapitel diesem Thema gewidmet.

Ein sehr schönes Beispiel von Kime außerhalb der Kampfkunst finden wir in der manuellen Therapie wieder, z.B. in der Chiropraktik: das befreiende Knacken, welches ein professioneller Therapeut mit einem Minimum an Kraft imstande ist hervorzurufen. Die Gelenke öffnen sich fast wie von selbst, langwierige Schmerzen verschwinden beinahe auf der Stelle und es folgt ein Zustand des Wohlgefühls. Ein konstruktive Art von Kime  …

merkel 2Auf dass wir alle unser Leben mit Kime oder wenn man so will, ähnlich wie unsere Kanzlerin mit voller Entscheidungsfreude gestalten!

Veröffentlicht unter Hintergründe, Karate als Budo, Praxiserfahrungen | Verschlagwortet mit , , | 1 Kommentar

Die Form des Karate

Kürzlich war ich zu einem Seminar eingeladen, das anlässlich des 30-jährigen Jubiläums eines namhaften Sportvereins in Lübeck veranstaltet wurde. Ich war dort selbst über viele Jahre Vorsitzender des Vorstands und als Trainer tätig.

IMG_1983Überdies traf ich viele Leute aus vergangenen Tagen wieder, was natürlich nicht nur mir zur Freude gereichte. Leider hatten jedoch nicht alle von meinen Büchern gehört oder sie waren noch nicht zu dessen Kauf entschlossen. Vielleicht kann dazu das hier nun im folgenden präsentierte Inhaltsverzeichnis nebst Vorwort weiterhelfen?:

Vorwort:

Zu Beginn des Buches „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry gibt es eine Kinderzeichnung, in der eine Riesenboa zu sehen ist, die einen Elefanten verschluckt hat. So wie die Erwachsenen, die hier statt der Boa nur einen Hut sehen, bleibt auch uns das Offenbare häufig verborgen, weil unser Blick verstellt ist durch voreingenommenes Wissen und festgefügte Meinungen.

Cover 4zNach den vielen Jahren meines mehr oder minder intensiven Studiums der Kampfkünste stellte ich – nicht ganz ohne Erstaunen – fest, dass mittlerweile sehr viel zu den verschiedensten Aspekten der Karate-Praxis geschrieben wurde, es aber zumindest in der deutschsprachigen Literatur nur wenig über das Wesen seiner Kata zu lesen gibt.

Um den Wert der Karate-Kata wirklich schätzen und von ihrer Übung maximal  profitieren zu können, bedarf es besonderer Information. Ich habe versucht, diese möglichst vollständig zusammenzutragen und näher zu erläutern. Es handelt sich dabei um Gesichtspunkte, die zwar nicht gänzlich unbekannt sind, häufig aber als Randwissen betrachtet werden, obwohl sie notwendig sind, um die Essenz der Kampfkunst zu erfassen.

Bei dieser Essenz handelt es sich um das Wissen von Meistern der Vergangenheit, gleichsam um den Schatz ihrer Erfahrungen aus zahlreichen Kämpfen, aus Unterricht und spiritueller Praxis, welche über viele Generationen weitergegeben wurden.

Die Kata geht über den reinen Formalismus, den es zunächst zu beherrschen gilt, um vieles hinaus. Ihre weitreichenden Zielsetzungen und Grundlagen sind Inhalt dieses Buches. Ich möchte einen Einblick geben in das, was das Üben der Karate-Kata uns bieten kann, wo die Schwierigkeiten des Lernens und Verstehens liegen und wie diese bewältigt werden können. Und vor allem wie die Praxis der Karate-Kata uns hinführen kann zu einer effektiven Form der Selbstverteidigung und weiter zu einem spirituellen Weg im Sinne des Budō.

IMG_1920Jedoch handelt es sich nicht um ein Lehrbuch über Kata. Ihre Besonderheiten, die über das ästhetische Bild hinausgehen, können letztendlich nur in direkter Unterweisung vermittelt werden. Andererseits haben sich im Laufe meiner Trainertätigkeit bestimmte Fragestellungen derart oft wiederholt, dass ich meine wagen zu können, die Antworten in verallgemeinernden Worten schriftlich wiederzugeben.

Aus der eigenen Übungspraxis und unzähligen Beobachtungen beim Unterricht heraus ist ein Werk entstanden, das – so hoffe ich – vielen Karateka hilft, ihren Blickwinkel zu erweitern. Denn erst mit einem Blick, der jenseits des unmittelbar Erkennbaren geht, der vermeintlich sicheres Wissen hinterfragt, kann ihr Karate nach und nach wirklich zum Dō werden.

Inhalt:

Teil 1: Vom Wert der formellen Übung

Kapitel 1:  Einleitung

Kapitel 2: Wissen was man tut

2.1. Kampfkunst gleich Budo? – Versuch einer Annäherung

2.2. Warum wir Kata üben

Kapitel 3: Das Kämpfen als Kunst

3.1. Ursprünge

3.2. Zielsetzungen

3.3. Quellen der Wirksamkeit

3.4. Ökonomie als Maxime der Kampfkunst

3.5. Wurzeln und Entwicklung der Kata in China

3.6. Die Form in der Kampfkunst

Kapitel 4: Aufbau und Struktur der Karate-Kata

4.1. Die Schichten der formellen Übung

4.2. Waza – die wirksame Technik

  4.2.1. Von der Heilung zur Kampfmethode

4.2.2. Präzision statt Krafteinwirkung

4.2.3. Kategorien der Karate-Technik

4.3. Kamae – die besondere Haltung

4.5. Enbu-sen – Bewegung in Mustern

4.5. Die Kata als Ganzes

4.6. Anwendungen

Kapitel 5: Zur Geschichte der Kata Okinawas

5.1. Von China nach Okinawa

5.2. Kampfstile auf Okinawa

5.3. Stilrichtungen und Ryūha

Kapitel 6: Die Karate-Kata im Überblick

6.1. Kategorien und Namen unserer Kata

6.2. Gruppen von Kata

 Teil 2: Von der Praxis zwischen Form und Anwendung

 Kapitel 7: Kamae-kata – die Formen der Haltung

7.1. Körperhaltungen

7.2. Die Wirbelsäule

7.3. Fußtellungen

7.4. Armhaltungen

7.5. Handhaltungen

7.6. Fußhaltungen

 Kapitel 9: Waza – Techniken und deren Ausführung

9.1. Statik und Dynamik

9.2. Harte Techniken

9.3. Weiche Techniken

9.4. Versteckte Techniken

9.5. Fußtritte

9.6. Kime

Kapitel 10:  Die Gesamtaktion

 10.1. Eröffnungen und Abschluss

10.2. Rhythmus und Takt

10.3. Atmung und Körperspannung

10.4. Der Kiai

10.5. Der respektvolle Gruß

10.6. Übungsrichtlinien

Kapitel 11: Die Kata nutzbar machen

11.1. Das Erübte wirksam werden lassen

11.2. Probleme der Auslegung

11.3. Vom Wert des Bunkai

11.4. Standartanwendungen und ihre möglichen Irrtümer

11.5. Henka-oyo – Das Prinzip des Wandels

11.6. Von der Analyse zur Routine

Teil 3: Besondere Kata

Kapitel 12: Die Pinan-Kata und ihre (wahre) Bedeutung

12.1. Geschichte der Pinan-Kata

12.2. Relation der Pinan mit den Klassikern

12.3. Itosus Einfluss auf das Karate von heute

Kapitel 13: Heishu-kata: Sanchin, Tensho und Naifanchin

 13.1. Drei Kämpfe

13.2. Rollende Hände

13.3. Mysterium Naifanchin

Kapitel 14: Passai – Bassai

14.1. Herkunft und Entwicklung der Kata Passai

14.2. Aufbau und Inhalt – die Versionen im Vergleich

Teil 4: Schlussbetrachtungen

 Kapitel 15: Rückschau und Ausblick

15.1. Das Ergründen der Form

15.2. Das Überwinden der Form

Nachwort

Und: ….. Überzeugt?

Veröffentlicht unter Karate als Budo | Kommentar hinterlassen